(Nächtliches) Zähneknirschen, Bruxismustherapie

Zahnschiene oder Funktionsdiagnostik:

Das Knirschen mit den Zähnen, welches wir in der Fachsprache Bruxismus nennen, ist ein relativ weit verbreitetes Phänomen und auch Problem, dessen sich die Betroffenen oft nicht bewusst sind.

Auf dem folgenden Bild können Sie deutlich erkennen, was beim Knirschen so alles läuft:

Bruxismus, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen


  • Die Zähne werden in merkwürdigen, unnatürlichen Positionen aufeinandergepresst.
  • Dadurch unterliegen sie einer außergewöhnlichen, unphysiologischen Abnutzung, genannt Abrasion.
  • Die mimische Muskulatur des Gesichts wird ebenfalls über Gebühr angespannt.

Da meistens nachts während des Schlafes geknirscht wird, merken die Betroffenen – wenn überhaupt nocht rechtzeitig – meistens nur indirekt, dass sie knirschen:

  • Sie wachen morgens mit unerklärlichen Schmerzen auf. Dies können Zahn-, Kopf-, Schläfen-, Nacken-, Muskel- oder Kiefergelenkschmerzen sein.
  • Typischerweise kann die Schlafqualität durch den Bruxismus beeinträchtigt werden – die Betroffenen fühlen sich dann morgens wie „gerädert“.
  • Gelegentlich stellen die Lebenspartner das Bruxen fest und geben den Knirschern einen entsprechenden Hinweis.

Nicht selten ist es jedoch erst der Zahnarzt, der Zähneknirschen feststellt. Zum Beispiel stellt er bei den Betroffenen die typischen Spuren des nächtlichen Knirschens fest, nämlich spiegelblank polierte, scharf abgegrenzte platte Zahnflächen.

Auch ein Muskeltastbefund führt oft zur richtigen Diagnose des Bruxismus‘. Warum? Weil die Kaumuskulatur übermäßig beansprucht wird und daher dicker wird, ähnlich wie der Bizeps beim Bodybuilding.

Das Zähneknirschen ist eine sogenannte

craniomandibuläre Myoarthropathie.

In diesen beiden Wörtern stecken so ziemlich alle betroffenen Gewebe drin, die durch Bruxismus geschädigt werden können:

  • cranium = der Schädel mit allen seinen Knochen;
  • mandibula = der Unterkiefer;
  • myo = die Muskeln betreffend;
  • arthro = die Kiefergelenke betreffend;
  • pathie = Krankheit.

Da es sich hierbei um eine Über- oder Fehlfunktion handelt, sprechen wir hier in der Fachsprache auch von einer craniomandibulären Dysfunktion, abgekürzt CMD.

Ist es nicht eigentlich egal, ob ich knirsche?

Zähneknirschen, FrageSelbst wenn es Ihnen subjektiv nichts ausmachen sollte, dass Sie morgens mit Beschwerden aufwachen oder dass Ihr(e) Lebenspartner(in) durch nächtliches „bruxen“ gestört wird:

Beim Knirschen werden unglaublich hohe Kräfte entwickelt, die Ihre Zähne ertragen müssen. Diese Kräfte können im Einzelfall bis zu zehn Mal stärker sein als diejenigen Kaukräfte, welche Sie benötigen, um harte Nahrung zu zerkleinern.

Wenn Sie sich über das Ausmaß dieser Kräfte jetzt vielleicht noch kein Bild machen können, dann halten Sie sich bitte vor Augen, dass Sie mit diesen unphysiologischen (ungesunden) Kaukräften Ihren Zahnschmelz „plattmachen“, also die mit weitem Abstand härteste Körpersubstanz!

Probieren Sie bitte einmal – vorsichtig, natürlich! – folgenden Selbsttest:

Stecken Sie einen Ihrer Finger zwischen Ihre beiden Zahnreihen und beißen Sie so fest zu, dass Sie es gerade eben noch aushalten und Sie Ihren Finger nicht verletzen.

Obwohl Sie verständlicherweise nicht mit Ihrer vollen Kaukraft zubeißen werden, tut es Ihrem Finger auch so schon ganz schön weh.

So, und jetzt stellen Sie sich diesen Kaudruck bitte noch einmal mindestens zehn Mal so stark vor…

Sie sehen also: Es kann logischerweise überhaupt nicht egal sein, ob Sie mit den Zähnen knirschen. Auf lange Sicht gesehen ist es sogar gefährlich!

Mit welchen Folgen muss ich rechnen?

Zunächst einmal werden die Zähne selbst beim Knirschen unphysiologisch, also krankhaft gesteigert, belastet und überbelastet. Übermäßiger Zahnabrieb, der weit über das normale Maß einer Zahnabnutzung hinausgeht, ist die Folge (siehe hierzu das Foto weiter unten). Dadurch senkt sich im Laufe der Zeit die Bisshöhe, also der Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer zueinander beim Zubeißen, der sogenannten Okklusion, ab.

Die Spätfolge eines solcherart abgesunkenen Bisses sind Fehlbeanspruchungen der Kiefergelenke, welche schmerzhafte Kiefergelenksentzündungen hervorrufen können. Deren weitere Symptome können dann auch zum Beispiel Kiefersperren, Ohr- und Wirbelsäulenprobleme sein, denn diese genannten anatomischen Strukturen liegen ja nun einmal sehr dicht beieinander.

Für Sie ist es jetzt wichtig zu wissen, dass die Kiefergelenke die kompliziertesten Gelenke unseres menschlichen Körpers sind, da sie kombinierte Dreh- und Gleitgelenke mit einer noch komplizierteren Weichteileinkapselung darstellen. Sie sind daher im Ernstfall schwer zu therapieren.

Noch ungünstiger ist die Situation, wenn Sie einseitig knirschen. Dann können Sie wegen des ungleichmäßigen Zahn- und Kiefergelenkabriebes nicht mehr beidseitig harmonisch zubeißen, was dann also zusätzlich noch Kaubeschwerden verursacht. Was der Laie als „Kieferarthrose“ bezeichnet, ist also in Wirklichkeit ein unphysiologischer Verschleiß eines oder beider Kiefergelenke, also eine Kiefergelenkarthrose.

Auch das Parodont kann leiden.

Durch die ständige Überbelastung mit abnorm hohen Kaudrücken – zur Erinnerung: bis zum zehnfachen der physiologischen, also normalen, Kaukraft – können die Zähne auch locker werden und schließlich sogar ausfallen, da der Kieferknochen auf Dauer dem Druck solcher Kräfte nicht gewachsen ist.

Zusätzliche Probleme, wenn beispielsweise Kronen, Brücken oder Teilprothesen notwendig werden:

Schauen Sie sich bitte einmal diesen durchsichtigen Zahn an:

Zahnmark, Darstellung, gesunder Zahn

Sie sehen hier rot dargestellt die Pulpa eines Zahnes, also den „Nerv“ oder besser gesagt das Mark des Zahnes.

In schweren Fällen von Bruxismus ist der Zahn – im Bild oben das durchsichtige Weiße – durchaus so weit abgerieben, dass nur noch eine dünne Hartsubstanzschicht die Pulpa verschließt. Diese Schicht ist dann auch nicht mehr der sehr harte Zahnschmelz, sondern bereits das vergleischsweise weiche Zahnbein, das Dentin.

Das Ganze sieht dann so aus:

Schmelz, Dentin, Zahn, Nerv
Die dunkelbraune Fläche ist nur noch eine dünne Dentinschicht, welche das Zahnmark (den „Nerv“) schützt. Müsste man nun diesen Zahn zur Aufnahme einer Krone noch zusätzlich abschleifen, so schaute nur noch die blanke Pulpa („Nerv“) heraus.

Jetzt kommt es aber oft vor, dass ausgerechnet solche Zähne zur Aufnahme einer Krone beschliffen werden müssen, weil sie z.B. schlicht zu stumpf zum Beißen wurden und somit der Betroffene nicht mehr richtig kauen kann, oder weil so ein Zahn für den Halt einer Prothese, mit der verlorene Zähne ersetzt werden müssen, dringend gebraucht wird.

Ohne Maßnahmen zur Bisserhöhung würde die Pulpa eröffnet. Eine Wurzelkanalbehandlung mit all ihren Risiken wäre dann die Folge.

Wie kann ich Zähneknirschen verhindern?

Stree, Aulöser, Zähneknirschen, Zähnepressen

Drehen Sie Ihren Stress-o-Meter wieder auf „ruhig“.

Durch nächtliches Pressen und Knirschen wird psychischer Druck, welcher sich tagsüber aufgebaut hat, abgearbeitet. Daher wäre im Grunde genommen die einfachste Lösung, solche Drucksituationen zu vermeiden.

Das wird sich jedoch in der Realität eher selten umsetzen lassen, da die Stressauslöser z.B. der Beruf oder auch Probleme im Privatleben sein können. Den Beruf können nur Wenige von heute auf morgen wechseln und Privatbeziehungen lassen sich auch nicht so ohne Weiteres „kündigen“.

Also setzen wir unseren Knirschpatienten eine Aufbissschiene ein. Ein Beispiel einer solchen Bruxismus-Schiene sehen Sie hier:

Knirscherschiene

Solche Schienen bestehen aus einem widerstandsfähigen Kunststoff und sind in aller Regel recht angenehm zu tragen. Getragen werden sie zumeist nachts, können aber auch tagsüber in stressigen Situationen ins Gebiss eingesetzt werden.

Diese Schienen sind fast unsichtbar und Sie können, auch wenn die Schienen eingesetzt sind, sprechen. Sogar essen ist mit ihnen möglich. Dies ist immer dann sehr wichtig, wenn wir die Schienentherapie einsetzen, um abgesenkte Bisse (siehe Bild oben) wieder anzuheben.

Und diese Schienen sind, wenn sie durchgebissen sind, einfach zu ersetzen.

Wir stellen unsere Aufbissschienen und Bisserhöhungsschienen in unserem praxiseigenen Labor her.

In besonders schweren Fällen kommen auch komplizierte Schienen zum Einsatz, ggf. unter Einschaltung eines Funktionstherapeuten.

Sie sehen also:

Zahnschutz, Lebenslage

Obwohl die Folgen eines unbehandelten (nächtlichen) Zähneknirschens recht unangenehm und kompliziert sein können, haben wir eine einfache Möglichkeit, diese Folgen zu vermeiden. Und das Schöne daran: Weder im Privat- noch im Berufsleben werden Sie durch eine solche Therapie beeinträchtigt.


Lassen Sie sich unverbindlich von uns beraten.



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